Diabetes Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die weltweit Millionen von Menschen betrifft. Im Gegensatz zu Diabetes Typ 1, bei dem der Körper kein Insulin produziert, entwickelt sich Diabetes Typ 2 aufgrund von Insulinresistenz und unzureichender Insulinproduktion. In diesem Artikel werden wir uns näher mit den Ursachen, Symptomen und Präventionsstrategien für Diabetes Typ 2 befassen. Anschließend sprechen wir mit einem erfahrenen Experten zu dem Thema.

Ursachen von Diabetes Typ 2

Die Hauptursachen für Diabetes Typ 2 sind eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Lebensstilfaktoren. Übergewicht, insbesondere in der Bauchregion, erhöht das Risiko für Insulinresistenz und die Entwicklung von Diabetes Typ 2. Eine ungesunde Ernährung, die reich an gesättigten Fettsäuren, Zucker und verarbeiteten Lebensmitteln ist, spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Bewegungsmangel, Rauchen und chronischer Stress können das Risiko zusätzlich erhöhen.

Symptome von Diabetes Typ 2

Die Symptome von Diabetes Typ 2 können variieren und entwickeln sich oft schleichend. Häufige Anzeichen sind übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, verschwommenes Sehen, langsame Wundheilung und wiederkehrende Infektionen. Viele Menschen leben jedoch jahrelang mit Diabetes Typ 2, ohne es zu wissen, da die Symptome subtil sein können oder erst in fortgeschrittenen Stadien auftreten.

Präventionsstrategien für Diabetes Typ 2

Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko für die Entwicklung von Diabetes Typ 2 erheblich reduzieren. Hier sind einige Präventionsstrategien, die empfohlen werden:

  1. Gewichtsmanagement: Eine gesunde Gewichtsabnahme bei Übergewicht kann das Risiko für Diabetes Typ 2 verringern. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten, magerem Eiweiß und gesunden Fetten ist wichtig.

  2. Regelmäßige körperliche Aktivität: Mindestens 150 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Woche kann helfen, das Risiko für Diabetes Typ 2 zu senken. Aktive Bewegung wie Gehen, Laufen, Schwimmen oder Radfahren ist empfehlenswert.

  3. Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit einem Schwerpunkt auf ballaststoffreichen Lebensmitteln, Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß ist wichtig. Es sollte der Konsum von zuckerhaltigen Getränken, zuckerhaltigen Snacks und stark verarbeiteten Lebensmitteln vermieden werden.

  4. Stressmanagement: Chronischer Stress kann das Risiko für Diabetes Typ 2 erhöhen. Stressbewältigungsstrategien wie Entspannungstechniken, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf können helfen, Stress zu reduzieren.

  5. Regelmäßige ärztliche Untersuchungen: Regelmäßige Untersuchungen beim Arzt können dazu beitragen, Diabetes Typ 2 frühzeitig zu erkennen oder das Risiko einzuschätzen. Blutzuckertests, Blutdruckmessungen und andere Untersuchungen sind wichtige Screening-Methoden.

Diabetes Typ 2 ist eine ernsthafte Erkrankung, die jedoch durch eine gesunde Lebensweise und Präventionsstrategien beeinflusst werden kann. Die Umstellung auf eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Gewichtsmanagement und Stressbewältigung sind wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung von Diabetes Typ 2. Durch frühzeitige Erkennung und angemessene Behandlung kann das Risiko für Komplikationen reduziert und ein gut kontrollierter Blutzuckerspiegel erreicht werden. Konsultieren Sie immer einen Arzt oder einen Diabetes-Spezialisten für eine individuelle Beratung und Behandlung.

Interview mit Andreas Wartha

Andreas Wartha, der Diabetes Experte

In diesem Interview erzählt uns der Diabetes Experte mehr über seine Erfahrungen und gibt wertvolle Tipps für alle Betroffenen. Wer sich lieber das Video dazu anschauen möchte, kann jetzt mit einem Klick zu YouTube wechseln!

Lieber Andreas, vielen Dank, dass du dich dazu bereit erklärt hast mit uns in Austausch zu gehen und ein Interview mit uns zu führen. Kannst du etwas zu deiner Person erzählen und dich vorstellen?

Ja mein Name ist Andreas Wartha. Ich bin mittlerweile 59 Jahre alt. Ich bekomme dieses Jahr auch die Null hinten drangehangen. Also dann sechzig. Ich habe vor fünf Jahren die Diagnose Diabetes Typ 2 bekommen. Hab zum damaligen Zeitpunkt ungefähr 35 Kilogramm mehr auf der Waage gehabt. Ich habe einen HbA1c-Wert von 10% am Tag der Diagnose gehabt und habe dann überlegt: „Okay was machst du jetzt? Entweder änderst du dein bisheriges Leben, überdenkst das alles. Du musst alles auf dem Prüfstand stellen oder aber du machst weiter so und dann liegst du irgendwann in einem halben Jahr auf die Seite“ und das war dann nichts für mich. Also das war für mich so der äußere Anlass etwas an meinem Leben zu ändern.

Die Symptome waren bei mir sehr unspezifisch. Also ich hatte keine Schmerzen im klassischen Sinne, dass man sagt Diabetes tut irgendwo weh. Ne tut's nicht. Ich war ständig abgespannt und müde. Dieses häufige Wasserlassen hatte ich nicht. Warum bin ich dann zur Ärztin gegangen? Weil ich einen kleinen Insektenstich am Fuß hatte, der nicht wirklich geheilt ist. Dann habe ich gedacht: „Also, bevor das jetzt hier in irgendeiner Form blöd wird, geh mal zur Ärztin.“ Dort war ich ewige Zeiten nicht. Ich glaube das kennen viele Männer, die dann meinen: „Nein zum Arzt gehe ich nicht so gerne.“ Und dann hat sich die Frau Doktor meine Füße angeguckt und hat sich dann gedacht, dass ich wahrscheinlich Diabetes habe. Dann wurden noch die Blutwerte sicherheitshalber geprüft und dann hat sie mir an einem anderen Tag die Wertung kundgetan. Dann hat sie mir innerhalb von zehn Minuten erklärt, was ich essen soll, was ich nicht essen soll, was ich meiden soll. Also das war für mich die schnellste und sicherlich auch kompetenteste Ernährungsberatung, die ich hatte, denn ich bin damit wirklich gut übers Wochenende gekommen. Wobei ich gleich angefangen habe zu recherchieren und mich da sehr intensiv mit zu beschäftigen.

Ich habe am Tag der Diagnose dann mein altes Fahrrad aus dem Keller gekramt und bin dann sofort gestartet. Ich bin dann pro Tag 15 km gefahren. Ich muss auch dazu sagen, es ist sehr schönes Wetter gewesen. Also wir hatten Sonnenschein. Es gab kaum Niederschlag und daher konnte man das immer ganz prima verbinden und siehe da: Also übers Wochenende war das dann schon so, dass ich vorher morgendliche Werte von etwas unter 400 hatte und hätte ich den Montag nach dem Wochenende morgens einen Wert, der bei 400 liegt, hätte mich die Ärztin sofort in die Klinik gebracht. Und da habe ich gedacht: „Na ja, also jetzt solltest du was tun.“ Dann war ich aber schon bei 300, als ich am Montag bei ihr war und das ging dann. Dann hat sie mich auch gleich zu Diabetologen geschickt. Was bei einem HbA1c von 10 auch sehr wichtig ist, denn viele Hausärzte beispielsweise, die doktern auch mit diesem hohen HbA1c zunächst mal rum und da ist es eben halt notwendig, dass da zunächst ein Spezialist drüber guckt. Ich gehe auch nicht mit irgendwelchen chirurgischen Beschwerden zum Internisten und lasse ihn dann operieren. Ich bin dann perfekt von ihr betreut worden über fünf oder sechs Wochen. Dann hat sie mich wieder rausgeschmissen, weil mein HbA1c unter 7 war und ich habe dann auch angefangen abzunehmen. Ich habe das auch sehr konsequent durchgezogen. Ich habe nicht auf Kalorien geachtet. Ich habe Süßkram komplett weggelassen. Also Zucker habe ich aus meiner Ernährung verbannt. Wenn du siehst was in Lebensmitteln teilweise an Zucker drin ist, dann ist das allermeist genug. Zunächst mal war es sehr zeitaufwendig die ganzen Etiketten zu kontrollieren. Müsli ist nicht gleich Müsli und wenn du siehst, was teilweise in Müsli an Zucker drin ist, dann wird einem schwindelig. Ich habe dann ein Bio Basis Müsli gefunden, aus dem Hause Rewe. Das hat 1,9 Gramm Zucker gehabt und das hat mir auch sehr weitergeholfen. Dazu dann morgens ein Skyr und ein paar Beeren. Also Heidelbeeren, was gerade eben halt so Saison hatte. Schon allein dadurch, dass ich den Haushaltszucker weggelassen habe, war die halbe Miete. Ich habe nur noch auf Vollkornqualität gesetzt. Mein geliebtes Ciabatta ist den Streichlisten zum Opfer gefallen. Das habe ich dann ersetzt durch Vollkornbrötchen. Ich habe auch beispielsweise Roggenbrötchen oder Vollkornbrötchen selbst gebacken. Ich bin jemand der Kohlenhydrate nicht verteufelt. Um Gottes Willen. Was aber kein Mensch braucht, ist der Einfachzucker oder Saccharide wie zum Beispiel Haushaltszucker, denn das ist Leere. Das sind inhaltsleere Kalorien und die stören auch beim Abnehmen. Während der Phase des Abnehmens habe ich dann auch komplett auf Rotwein und Weißwein verzichtet. Schnaps trinke ich keinen und Bier habe ich auch weggelassen. Das hat mich sehr weitergebracht. Ich habe dann innerhalb von 7 oder 8 Wochen 15,5 Kilo runter gehabt. Ich habe am 05. Oktober die Diagnose bekommen und am 28. November zeigte die Waage 99,5 kg an. Das war ein sehr schönes Gefühl. Das war schon mal gut und dann bin ich aber einfach drangeblieben. Ich bin die ersten fünf Wochen nur Fahrrad gefahren und dann habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet. Ich habe einen Tag ca. 35 bis 60 Minuten Cardio-Training gemacht und dann habe ich am anderen Tag ein Krafttraining gemacht. Dafür braucht man auch ungefähr eine Stunde mit Aufwärmen und das hat mir sehr geholfen. Ich habe dann schnell Muskelmasse aufgebaut, durch gezieltes Körpertraining. Ich habe Rückenmuskulatur aufgebaut. Ich habe Bizeps und Trizeps-Muskulatur und Bein und Po-Muskulatur und meine Bauchmuskulatur wieder. Also ich werde jetzt sicherlich kein Sixpack mehr kriegen, aber darum geht's gar nicht. Es geht darum, dass man erkennt, was bei vielen, die Gewicht reduzieren möchten, falsch gemacht wird. Das ist ganz einfach. Sie verlieren Muskelmasse. Da gehen nicht nur die Fettzellen.

Der Körper ist auf Hungersnöte ausgelegt und eingerichtet und versucht natürlich alles bei sich zu behalten und dann kann das durchaus sein, dass da zunächst mal Muskelmasse abgebaut wird. Man braucht die Fettverbrennung und da ist es nicht wichtig, im Cardio Bereich Höchstleistung erbringt oder, dass man anfängt an den Gewichten herumzureißen und sich viel zu viel drauflegt. Nein es geht darum, dass man wirklich diese kontinuierliche Bewegung hat. Ich empfehle mit einer Pulsfrequenz zwischen 130 und 140 zu trainieren. Man kann auch mal die Sau rauslassen, aber nur wenn man wirklich gut trainiert ist und man sollte auf jeden Fall bevor man mit der Bewegung, d.h. bevor man anfängt zu trainieren, einen Arzt drüber gucken lassen, ob das alles so in Ordnung ist, gerade z.B. bei einer Herzproblematik. Bewegung ist gut, gar keine Frage, aber da muss natürlich die Intensität etwas reduziert und angepasst werden. Das ist eben eine immense Erfahrung, die ich auch gemacht habe. Ich habe dann noch eine Ausbildung, als Ernährungsberater gemacht und als Personal Trainer und würde sagen ich mache jetzt eine ganze Menge auf dem Gebiet Ernährung und Bewegung. Diese Grundsätze kann man sowohl für Diabetes nehmen, das kann man bei Adipositas verwenden, das kann eigentlich jeder verwenden, der gesunde Ernährung möchte oder der auch einfach nur mal ein paar Kilo nach unten bringen möchte, der ein bisschen was, für die Bikini oder Badehosenfigur am Strand tun möchte. Also da geht einiges. Was ich immer empfehle, ist eine dauerhafte Umstellung der Ernährung. Also keine Crash-Diäten oder Mono-Diäten. Die sind von vornherein komplett zum Scheitern verurteilt. In dem Augenblick, indem du dann wieder anders isst, hast du alles wieder drauf und wahrscheinlich noch 5 Kilo mehr. Das ist dann der sogenannte JoJo-Effekt. Ich bin jetzt nächste Woche in Berlin auf der DDG-Frühjahrstagung mit dabei und freue mich natürlich auch wieder drauf. Es ist schön, dass wir die Möglichkeit haben im Rahmen eines Programms von den DDG Voices, daran teilzunehmen. Das ist in Deutschland noch tiefstes Entwicklungsland, weil viele das überhaupt nicht verstehen, warum da auf einmal Betroffene an diesem Kongress teilnehmen. Das Leitmotto, der DDG Voices ist: „Nothing about us, without us.“ Denn wir wollen doch mitdiskutieren und das geht doch eigentlich nur, indem man mit den Betroffenen ins Gespräch kommt, und das kann man denke ich mal auf solchen Kongressen deutlich besser machen, als wenn man jetzt in seiner Arztpraxis sitzt und dann den Betroffenen untersucht. Und das schlimme ist ja, wir haben Zahlen, die sind absolut erschreckend. Wir haben also insgesamt, wenn ich es richtig sehe, mittlerweile 8,7 Millionen Menschen mit Diabetes, davon ungefähr 350.000 mit Diabetes Typen 1 und der Rest, eine dunkle Ziffer von ca. zwei Millionen, alles Typ 2. Ich habe schon vorhin gesagt, der

Diabetes tut nicht weh. Weh tun die Folge Erkrankung. Also Schlaganfälle, Herzinfarkte. Dann haben wir die berüchtigte Augenerkrankungen, dann Nierenerkrankungen, dann eben halt die Neuropathien im Fußbereich oder aber auch Wunden gerade im Fußbereich, die dann anfangen aufzugehen und wo dann auch Füße teilweise immer noch scheibchenweise abgetrennt werden und hier ist es natürlich so, dass die Medizin sich sehr weit entwickelt hat und ich würde auch immer empfehlen, wenn jetzt solche Diagnosen mal im Raum stehen sollten, immer eine zweite Meinung einzuholen, denn so ein Fuß hast du nur zwei mal. Wenn einer weg ist, ist das natürlich doof. Also immer mal noch einen weiteren Spezialisten konsultieren. Solche Amputation sollten auch nur in speziellen Behandlungszentren gemacht werden, denn da haben sie teilweise ganz andere Möglichkeiten, als das beispielsweise am Kreiskrankenhaus hier der Fall ist. Ich denke, man sollte immer darauf bestehen und das empfehle ich auch allen Angehörigen, da dann noch eine zweite Meinung zu holen.

Schön, dass Du darauf aufmerksam machst. Also im Grunde reicht es für die Ernährungsumstellung am Anfang einfach den haushaltsüblichen Zucker wegzulassen? Einfach mal draufzuschauen, was man dann wirklich isst? Dass man sich dann bewusst ernährt und sich sportlich betätigt, um dann nachhaltig abzunehmen? Weil die Ernährungsumstellung oder gesunde Ernährung an sich wird von Vielen als schwierig und kompliziert und als nicht so alltagstauglich abgetan und da scheitern dann halt schon sehr viele daran, die Ernährung umzustellen.

Ja das sind für mich, wie sagt man so schön? Ein paar Ausreden. Also zum Beispiel Weißmehl Produkte, die klassisch sind, wie dieses Typ 405 oder 550. Das einfach aus der Ernährung verbannen und dafür wirklich ein Vollkornmehl nehmen. Natürlich brauche ich beim Vollkornmehl immer ein bisschen mehr Wasser, um ein Vollkornmehl zu einem Teig auszurollen, der dann geschmeidig ist. Das ist eine Herausforderung. Das andere ist natürlich ein bisschen einfacher, aber man kriegt das auch hin. Die Kohlenhydratzufuhr, die einen maßgeblichen Einfluss auf den Blutzucker hat, die sollte ein wenig reduziert werden ohne, dass man sich unbedingt ketogen oder lowcarb ernähren muss. Das ist gar nicht unbedingt notwendig. Es reicht schon aus, wenn man das geschickt mit Eiweiß kombiniert. Beispielsweise die gute alte Quark Vollkornstulle. Also einfach ein Kräuterquark machen, bisschen Salz, bisschen Knoblauch, je nachdem wie man es gerne möchte und das kombiniert mit einer Vollkornstulle. Da muss man natürlich aufpassen. Ich liebe auch meine Vollkornstulle, wenn ich natürlich dann vier, fünf oder sechs Vollkornbrote esse, dann steppt der Blutzucker auch hoch. Aber wenn ich zum Beispiel zwei Scheiben Vollkornbrot esse, dann geht der Blutzucker langsam hoch und ansonsten, man muss vieles austesten. Also jeder Diabetes ist einzigartig. Jeder Diabetes ist anders. Manche beispielsweise haben kein Problem damit Bananen zu essen. Also ich persönlich esse keine Banane, weil der Blutzucker bei mir ein wenig durch die Decke geht. Also lasse ich es weg. Ich esse lieber mal einen Apfel oder ich esse dann vor allem Bernobst und solche Sachen.

Jetzt ist gerade das Mekka an gesunder Ernährung, sprich es ist Spargelzeit. Sprich es ist Erdbeerzeit. Also das ist dann gut und da lässt sich so viel machen. Manchmal habe ich auch keine Zeit großartig zu kochen, aber es gibt ja unsere Discounter, in denen man ohne Probleme Gemüsepfannen kaufen kann. Die gibt es auch in Bioqualität mittlerweile und da ist kaum Zucker drin. Ich habe vor kurzer Zeit eine mediterrane Gemüsepfanne gehabt. Da sind 2,5 Gramm Zucker auf 100 Gramm drin und das tust du einfach unaufgetaut in die Pfanne und nach zehn Minuten heißt es: Essen. Ich empfehle immer, es zu versuchen ungefähr 500 Gramm Gemüse pro Tag zu essen. Bei vielen Menschen ist es so, dass abends dann Heißhungergefühle entstehen. Dann möchte man unbedingt was Süßes. Aber man kann auch hier durch ein paar kleinere Tricks auch mal naschen, ohne dass da groß was passiert. Ich sage immer je dunkler die Schokolade, desto besser. Vollmilchschokolade sollte nicht unbedingt verzehrt werden und nicht eine ganze Tafel, sondern nur ein oder zwei Riegel und das ist dann eben bewusstes genießen. Man macht immer den Fehler, dass die Zuckersucht rauskommt und man dann nicht aufhören kann zu naschen. Man muss dann merken: „Das reicht mir jetzt.“ Es gibt auch eine Möglichkeit, Heißhungerattacken wirksam zu begegnen. Zum einen: Großes Glas Wasser immer vor dem Essen trinken. Das Sättigungsgefühl des Körpers setzt meist so nach 20 Minuten ein. Bis dahin kannst du essen ohne Ende, habe ich ja früher auch gemacht und danach bist du dann satt und gerade, wenn du jetzt zum Beispiel so Süßkram zu dir nimmst, dann kommst du natürlich zu einem rapiden Anstieg des Blutzuckerspiegels und der geht natürlich dann sehr schnell auch wieder runter und zack hast du die nächste Heißhungerattacke. Deswegen empfehle ich, ballaststoffreich zu essen. Gemüse zum Beispiel und dann eben halt auch Vollkornprodukte. Denn viele stellen sich hin und sagen also das einzig wahre bei Diabetes, das ist eine ketogene Ernährung oder zumindest eine Low Carb Ernährung. Nein ist es nicht. Also das muss man klar sagen. Es kommt immer darauf, ob und was man an Medikamenten bekommt. Kriegt man beispielsweise keine Medikamente, so wie ich. Ich habe den Diabetes also erfolgreich, so würde ich mal sagen, in die Remission gebracht und brauche derzeit keinerlei Medikamente. Ich habe das alles durch Ernährung und durch Bewegung gut im Griff. Man weiß nicht, wie lange das so ist, aber das ist derzeit eben wirklich bei mir recht ordentlich.

Also würdest du sagen, dass man auch mit Diabetes ein weitestgehend normales Leben führen kann?

Klar! Also das einzige, man muss zunächst mal vielleicht seinen inneren Schweinehund überwinden. Ein paar einfache Veränderungen reichen schon aus. Beispielsweise habe ich einen Fitnesstracker, der meine Schritte zählt. Dass ich mal unter 10.000 Schritte komme pro Tag, das ist selten. Es ist vielleicht mal, wenn ich den ganzen Tag im Auto sitze, dann komme ich nur auf 7000 oder 8000 Schritte, aber meistens mache ich das so, dass ich früh morgens eine große Runde zügig spazieren gehe. Wenn ich weiß, ich habe jetzt mal ein Kartoffelsalat gegessen und ich dann weiß da geht der Blutzucker dann hoch, da brauche ich auch erstmal kein Blutzucker messen, denn der geht langsam hoch, aber er geht dann eben halt hoch, dann ziehe ich mir sofort die Schuhe an und gehe dann 3000 bis 5000 Schritte. Also straffes und zügiges laufen. Das sind so 20 bis 25 Minuten. Das kann man auch prima in die Mittagspause integrieren und der Blutzucker ist dann meistens wieder bei Werten um die 100. Ansonsten geht er auch gerne mal auf 200 / 210 hoch und deswegen ist es eben ganz einfach wichtig zu wissen, was genau und wie viel man an Kohlenhydraten gegessen hat. Klar diejenigen, die Insulinspritzen müssen, die berechnen das und haben dann ihre Kohlenhydrateinheiten oder Broteinheiten. Die wissen dann auch ganz genau, was sie an Kurzzeit Insulin spritzen müssen. Da gibt es auch im Bereich Diabetes Typ 2 etliche, die eine intensivierte Insulintherapie haben. Bedeutet: Sie bekommen ein Langzeit Insulin, was also meist einmal täglich abends gespritzt wird und dann zu den Mahlzeiten jeweils Kurzzeit Insulin, das dann je nach Bedarf berechnet werden muss. Der Typ 1 Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, und zwar greift die körpereigene Immunabwehr die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse an und vernichtet diese, sodass wir hier einen absoluten Insulinmangel haben und das heißt also, die Betroffenen müssen unbedingt Insulin spritzen, denn ansonsten würden sie über kurz oder lang sterben. Ohne Insulin geht da gar nichts. Zum Glück wurde das Insulin entdeckt. Vorher ist das so gewesen, dass man alles Mögliche versucht hat mit den Leuten, aber sie sind eben verstorben. Und wie gesagt, dann kam das Insulin. Das ist zunächst mal aus der Bauchspeicheldrüse von Hunden gewonnen worden, bzw. nachher von Schweinen. Jetzt wird es heutzutage alles synthetisch hergestellt. Diese Erfindung war phänomenal und hat so vielen Leuten wirklich das Leben gerettet. Das Insulin wurde dann früher zum ersten Mal an einem Jungen getestet. Das wurde ihm gespritzt und er ist dann richtig aufgeblüht, als er das Insulin dann bekommen hat. Er ist dann auch über 90 Jahre alt geworden und das alles mit den damaligen Möglichkeiten und Mitteln. Wir haben heute gerade in der Typ 1 Behandlung auch Insulinpumpen und CGM-Systeme, das heißt wir haben eine kontinuierliche Glukosemessung und die Messgeräte, die berechnen zum Teil auch welche Insulinabgabe notwendig ist. Natürlich haben sie auch mal Macken, die die Technik immer noch hat und das kann immer mal sein, dass da z.B. der Katheter gewechselt werden muss. Da gibt es eben leider Gottes, immer noch die Eigenheiten des Patienten. Also man kann es nicht komplett machen, aber es hat sich so viel getan und ich bin mir sehr sicher, dass sich auch in den nächsten Jahren weitere erhebliche Verbesserungen für die Patienten erreichen lassen. Der digitale Fortschritt hat auf jeden Fall dazu beigetragen, vielen Menschen das Leben zu retten und auch ein Leben mit Diabetes zu ermöglichen.

Also es herrscht auch vielfach die Meinung, dass Diabetes-Patienten, Menschen, die an Diabetes erkranken, dass die weitestgehend aufgrund ihres falschen Lebensstils selbst schuld daran sind. Wie stehst du dazu?

Nein, nein also auf gar keinen Fall. Deswegen trauen sich auch wahrscheinlich viele Menschen mit Diabetes Typ 2 nicht darüber groß zu reden, denn sie werden in Schmuddelecke gestellt, aber es ist eben so, dass natürlich Lebensumstände bei der Auslösung von Diabetes eine Rolle spielen. Natürlich sind Übergewicht und auch Bewegungsmangel Faktoren, die das beeinflussen können, aber man braucht auch eine genetische Komponente, eine genetische Disposition. Das heißt ich kann schlank sein und mich auch richtig ernähren und bekomme irgendwann Diabetes Typ 2, weil ich ganz einfach diese Genetik in mir habe. Genauso gut kann es ein Mensch, der Adipositas hat, der eben halt diese genetische Disposition nicht hat, der kriegt kein Diabetes. Ich halte das absolut für fehl am Platze, da über Schuld und Schuldgefühle zu reden. Es wird über Ernährung zwar gesprochen. Es wird vieles gesagt, aber was kriegst du denn angeboten? Das geht doch schon im Kindesalter los, dass die Kinder mit Schokolade, Fruchtgummis etc. zu gekippt werden und jeder der zu einem Geburtstag geht, der schenkt als erstes eine große Tafel Schokolade oder eine große Tüte Gummibärchen und noch schlimmer ist es dann zu den Feiertagen. Da gibt es dann reichlich an Süßkram und ich weiß als Kind, ich habe mich immer so auf den bunten Teller zu Weihnachten gefreut und das war dann aber auch ein einmaliges Erlebnis. Und im Laufe der Zeit, natürlich mit der weiteren Entwicklung, dass Lebensmittel überall heutzutage für uns verfügbar sind und egal wann, wo, wie, ich kriege immer irgendwo Essen. Auf der einen Seite sagt man: Na gut, es ist immer verfügbar. Auf der anderen Seite ist es eben Fluch und Segen zugleich und wenn man das Ganze in einem ausgewogenen Verhältnis sehen würde und begreifen würde, wäre schon vieles gekonnt und das fängt bei mir beispielsweise, bei den Schulen schon an. Kinder die beispielsweise in gesunder Ernährung unterrichtet werden. Also, was ist empfehlenswert? Was braucht unser Körper? Wie viel? Also die sind immer ganz erstaunt, wenn ich ihnen das erkläre. Oder wenn man zum Beispiel mal einkaufen geht, was so in diesen ollen Cornflakes drin ist. Es gibt jede Menge Snacks, die gegessen werden. Das ist Zucker ohne Ende. Da ist es vorprogrammiert. Unsere Kinder bewegen sich viel zu wenig. Es ist leider so, seit den letzten Jahren. Wir hatten früher in der Klasse vielleicht ein bis maximal zwei übergewichtige Kinder. Guck dir die Klassen heute an: Dann ist es eben ganz einfach so, dass wir auch schon im Kindes- und Jugendalter mit Adipositas zu kämpfen haben und das ist natürlich unendlich schwierig, weil auf der einen Seite, natürlich Kinder sind grausam mitunter. Die könnten die Alterskollegen dann hänseln. Aber heutzutage ist es schon teilweise umgekehrt, dass die sagen: „Guck mal, wie dünn der ist.“ Da müssen wir ansetzen, dass wirklich in der Schule schon Aufklärung betrieben wird. Warum gesunde Ernährung wichtig ist. Schon klar, als Kind nimmst du das alles gar nicht so sehr wahr. Und wenn du eben halt einem Kind etwas Geld für einen Burger gibst und die dann aber ständig bei McDonald’s herumhängen, und Pommes essen. Also wenn ihr Fast Food wollt, dann geht zum Türken, um die Ecke und holt euch einen Döner, denn der hat noch sehr viel Salat drin. Ich würde ihn ein bisschen anders bauen, denn der ist ja auch nicht aus Vollkorn. Das kann man aber machen und dann ist das ein richtig gelungenes Zeug und bei den Soßen könnte man vielleicht ein bisschen weniger Zucker reinmachen. Aber das halte ich noch für vertretbar.

Also es ist auch so, dass du Diabetes Coachings anbietest. Wie läuft das denn genau bei dir dann ab?

Ich habe ein Online-Coaching entwickelt. Da kannst du dich durchklicken auf meiner Webseite, gehst rein und dann auf: „Jetzt mitmachen“ und klickst dich dann durch, bis du auf der Bezahlseite bist und da bezahlst du dann deinen Kurszugang und dann hat der die Dauer von sechs Monaten. Pro Woche kommt eine Lektion, die ist dann auch freigeschaltet und die ist dann auch für die Dauer des gesamten Kurses verfügbar. Die allgemeinen Ernährungsberatungen, ich will keinem zu nahetreten, sind so angezogen: Du bist dann beim Diabetologen, der kommt dann zwischendrin auch noch rein und redet dann mit dir. Die Diabetesberaterin erklärt dir dann viele Dinge. Dann kommst du raus und hast dann so eine ganze Fülle, ein ganzes Sammelsurium an Informationen. Und danach weißt du nichts mehr, weil das alles zu viel auf einmal war. Dann habe ich gedacht: „Nein, man müsste eigentlich so einen Kurs haben, der 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche verfügbar ist.“ Ich erkläre alles ganz einfach. Das sind zum einen Texte und Bilder. Zum anderen gibt es zur jeweiligen Lektion ein Video. Ich erkläre zum Beispiel erstmal, was ist Diabetes. Dann auch, dass ich keine ärztliche Behandlung, Beratung oder auch pharmazeutische Beratung und Behandlung mache. Kann ich nicht. Darf ich nicht. Ist mir verboten und darum geht es aber auch gar nicht. Es geht darum Menschen zu motivieren, die Ernährungsumstellung leicht zu machen. In der ersten Lektion kannst du dir ein Ernährungstagebuch und ein Anamnesebuch runterladen. Das heißt also, anhand deiner Daten, die du mir dann per E-Mail schickst und anhand des Ernährungstagebuches sehe ich erstmal ungefähr, wie ist der Ist-Stand und damit kann man arbeiten. Dann sprechen wir zusammen. Ich mache das meistens mit einem wöchentlichen Call mit dem Betroffenen und dann gehen wir alles durch, denn man muss ja auch die Ernährung ändern. Ich habe jetzt einen Standardplan. Also einen wöchentlichen Ernährungsplan und die entsprechenden Rezepte dazu. Ich gehe von fünf Mahlzeiten am Tag aus. Kleinere Mahlzeiten. Frühstück hatte ich dann meistens Vollkornmüsli oder dann auch Eiweißbrötchen. Je nachdem wonach mir war und zwischendrin gab es dann immer rohes Gemüse. Einfach entweder Möhren Sticks oder Kohlrabi, dass praktisch die Kauwerkzeuge den ganzen Tag zu tun hatten. Dann Mittagessen. Dann gibt es auch sehr viel Gemüse und dann ein Snack für nachmittags, z.B. ein bisschen Joghurt, also Naturjoghurt mit Früchten drin oder aber auch Antipasti. Zum Schluss zum Abendbrot meistens Gemüse. Zweimal die Woche ist auch Fleisch drin. Also das ist ja auch nicht das Thema, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, weil da geht es eben darum, ob man sich eher vegan oder vegetarisch ernährt oder ob man Fleisch und Fisch isst. Wenn man sich nicht vegetarisch ernährt, kann man einem Fisch nicht ausweichen oder ab und zu ein gutes Stück Fleisch. Das ist denke ich mal durchaus erlaubt, aber eben halt nicht dieses ganze billige Fleisch in sich reinzutun. Das halte ich persönlich, auch im Interesse des Tierwohls, nicht für notwendig und für gut.

Also hältst du auch individuelle Ernährungspläne? 

Ja, du kannst also, wenn du jetzt so ein Programm gebucht hast, dann hast du natürlich meinen Ernährungsplan drin, der wirklich alle Sachen berücksichtigt. Da hat man einmal die Woche Fisch drin. Wer halt keinen Fisch mag, lässt den Fisch weg, ersetzt das durch ein Gericht, was ihm dann schmeckt und meist ist es so, dass die Leute dann immer zu mir sagen: „Also Andreas, das ist ja immer so viel und reichhaltig, was du machst. Da kann ich ja gar nicht alles auf einmal machen.“ Ja, ich selbst mache es auch nicht jeden Tag, aber ich sage, du möchtest ja von mir ein ansprechendes Programm haben. Ansonsten ist so den Rest, was du jetzt nicht isst, stellst du in Kühlschrank und isst es dann meinetwegen am anderen Tag noch mal oder ich komme auf die Idee und friere es ein. Man kann also vieles machen und muss es auch nicht an einem Tag alles machen. Das kann jeder für sich entscheiden und seine Favoriten herauspicken. Diejenigen, die es mitgemacht haben, haben alle ihren Hb1Ac nach unten gebracht. Deutlich nach unten. Darum muss es meines Erachtens gehen. Ich bin auch nicht so angezogen, dass ich sage, ihr müsst unbedingt sofort Gewicht reduzieren. Nein, das ist ein sehr angenehmes Nebenprodukt. Für mich ist erstmal maßgeblich, dass wir die Ernährung umstellen können und es ist maßgeblich, dass wir Bewegung in den Tag integriert bekommen. Meistens ist es so, dadurch dass du dich dann mehr bewegst, brauchst du, wenn du die gleiche Menge an Kalorien, wie vorher aufgenommen hast und du hast nur Bewegung in deinen Tag eingebaut, dann kannst du davon ausgehen, dass du schon im Kaloriendefizit bist und dann peut a peut abnimmst und das muss nicht jeder mit einem Crashkurs machen, wie ich das gemacht habe. Sondern das kann man auch so machen, dass man das wirklich peut a peut macht und, dass man mit der Ernährungsumstellung anfängt. Ich bin schon froh, wenn jemand zu mir kommt und sagt: „Also Andreas, mit Bewegung habe ich es nicht so. Ich bewege mich vielleicht so tausend Schritte pro Tag. Das schaffe ich vielleicht noch.“ Dann versuche ich den dahingehend zu motivieren. Dann sage ich: „Okay, dann versuch heute ein bisschen mehr zu gehen. Versuch mal heute ungefähr 250 bis 500 Schritte bewusst mehr zu machen als gestern.“ So und meistens ist das so, dass innerhalb von zwei bis vier Wochen dann auch eine deutlich höhere Zahl erreicht wird und deutlich mehr Bewegung erreicht wird, als bevor die Person zu mir ins Coaching gekommen ist. Es hat sehr viel mit dem inneren Schweinehund überwinden. Ich sage immer, wir müssen in den Schmerz hineinlaufen. Also man muss sich wirklich überwinden. Bewegung ist sehr wichtig! Der Körper ist ein Gewohnheitstier. Bei mir ist es mittlerweile so, dass mein Körper nach Bewegung schreit, wenn ich mich ein Tag nicht bewegen würde. Ich würde mich dann sehr unwohl fühlen. Genauso war es vorher, als ich in meiner Komfortzone war, da war Bewegung eben doof. Und da gibt es viele Ausreden für: „Also ich habe ja einen stressigen Bürojob, ich bin im Homeoffice oder ich bin im Büro“ und ich sage dann immer: „Ja, du kannst dich auch im Büro bewegen, kannst auch im Büro ohne Probleme pro Tag 10.000 Schritte machen.“ Wie das? Du stellst dich einfach hin. Du stehst auf aus deinem Schreibtischsessel, du stellst dich an deinen Schreibtisch und marschierst auf der Stelle. Das erkennt die Fitbit auf jeden Fall oder jeder andere Fitness Tracker erkennt das auch und der zählt dann deine Schritte. Bedeutet, wenn es wirklich mal so richtig schlechtes Wetter gibt, stelle ich mich dann auf die Stelle und marschiere zügig. Sieht zwar vielleicht ein bisschen bekloppt aus, aber es ist sehr effektiv und es ist auch so, dass man nach zehn Minuten anfängt zu schwitzen. Das zieht man du dann eine halbe Stunde durch und man ist dann mäßig gut trainiert.

Ja also ich vertrete deine Meinung zu 100 Prozent. Ich finde das auch sehr bemerkenswert, wie du auch mit der Diagnose umgegangen bist, wie du dein Leben einfach umgekrempelt hast und ja so einen einfachen Start in ein neues Leben gehabt hast und jetzt auch wirklich anderen Betroffenen helfen möchtest und ich denke, dass du als Coach an deren Seite der beste Ansprechpartner bist und die da auf jeden Fall durch Motivieren kann und wirklich helfen kannst ein normales Leben mit Diabetes zu führen. Um nochmal zurückzukommen auf die Tatsache, dass sich in der Aufklärung der Ernährung ja noch einiges tun muss. Was muss sich denn in der Behandlung der Diabetes Typ 2 Patienten in der Zukunft ändern?

Also zum einen sollte jeder diese Krankheit verdammt ernst nehmen. Diabetes ist eine chronische Erkrankung, der Bauchspeicheldrüse. Auch wenn sich einige Ärzte hinstellen und sagen, Diabetes ist heilbar. Nein, der Diabetes ist nicht heilbar. Du wirst ihn für den Rest deines Lebens behalten, denn auch wenn jetzt zum Beispiel, meine Blutwerte und meine Zuckerwerte in Ordnung sind, können sich diese auch verschlechtern. Ich merke auch, wenn ich jetzt z.B. ein ganz normales Stück Kuchen essen würde, dann geht mein Blutzucker nach oben. Zu Ostern waren wir in Sachsen und ich habe dann mal ein Stück Dresdner Eierschecke mitgegessen. Danach hatte ich ein Blutzucker, der bei 270 lag. Beim Stoffwechsel gesunden Menschen sollte der Blutzucker nicht über 140 Milligramm pro Deziliter hinausgehen, nach ca. einer Stunde nach Nahrungsaufnahme. Da ist es eben ganz einfach so, dass wir davon ausgehen müssen, du hast diese Krankheit, du musst eben halt das entsprechende tun und dann kannst du auch gut damit umgehen. Dann kannst du damit leben. Das sage auch immer, egal ob man jetzt Medikamente nehmen muss oder ob man keine Medikamente nehmen muss. Also betrachtet Medikamente nicht, als eure Feinde, sondern wirklich als Freunde. Bei Diabetes Typ 2 gibt es für viele Metformin, als das Mittel der Wahl. Es gibt auch diverse andere Medikamente, aber das wird dann dein Diabetologe oder dein Hausarzt mit dir besprechen und da ist es auch so, dass ich mich da nicht irgendwo reinhänge oder irgendwo anfange an der Medikation herumzukrabbeln. Das kann ich gar nicht. Nein, ich darf es nicht. Aber ich kann natürlich folgendes machen, wenn jemand zu mir kommt, der über Jahre beim Hausarzt war, mit einem HbA1c von 10, dann sage ich immer: „Sieh zu, dass du dir ein Notfalltermin beim Diabetologen besorgst!“ Denn da sollte man auch nicht mehr herumdoktern und meistens kriegt man das relativ schnell wieder in den Griff. Viele Hausärzte versuchen das selbst zu behandeln und das ist nicht gut. Ich hatte das riesengroße Glück, dass meine Hausärztin mich eben sofort zur Diabetologin geschickt hat.

Bei älteren Patienten ist es so, dass es häufig zu abnehmenden Sehvermögen kommt, zu Gleichgewichtsstörungen und das Sturzrisiko steigt. Und wie wichtig schätzt du das ein für Senioren ein Notrufarmband zu tragen, wenn sie mal stürzen, oder wie ist es denn bei Diabetes wird man da auch ohnmächtig?

Es kommt ganz darauf an. Also Patienten, die medikamentös eingestellt sind, die beispielsweise Metformin bekommen, da ist eine Unterzuckerung eher ausgeschlossen. Bei Menschen, die Insulin brauchen, die also diese intensivierte Insulintherapie haben, da muss man höllisch aufpassen, denn das ist so, dass die dann in den Unterzucker gehen können. Also die sogenannte Hypoglykämie und das kann dann auch dazu führen, dass die umfallen, dass die dann ohnmächtig werden. Ich persönlich halte diese Notfallsysteme schon für sehr gut und sehr aus geflügelt. Ich weiß, dass mein Vater das hatte. Ein Notfallsystem, wo dann per Knopfdruck eine Leitstelle informiert worden ist, und das war für meine Mutter auch gar nicht anders zu beherrschen, denn wenn mein Vater auf dem Boden lag, die hat ihn ja nicht hochgekriegt. Das ist schon eine sehr gute Sache, denn da kommt dann ganz schnell Hilfe und gerade bei Diabetes kommt es dann auf jede Minute an.

Ich wollte dich noch fragen, was du glaubst, was wir als Gesellschaft gegen das Fortschreiten von Diabetes tun können? Also in einem auf jeden Fall die Aufklärung schon im Kindesalter, dass man da halt wirklich genau auf die Ernährung eingeht. Gibt es dann noch weitere Faktoren oder Punkte?

Ja klar. Also zum einen guckt dir die heutigen Lebensmittelpreise an. Also gerade jetzt für gesunde Lebensmittel. Also sprich für Obst, für Gemüse würde ich mir wünschen, dass die Mehrwertsteuer auf 0 gesenkt wird. Damit ist schon sehr viel geholfen. Im Gegenzug sollte man dann zum Beispiel die Mehrwertsteuer für Süßgetränke und für ungesunde Sachen gerne erhöhen. Wie die Tabaksteuer, die auch dazu beigetragen hat, dass es mittlerweile weniger Raucher gibt. Bei neuen Sachen wird immer erstmal gejammert und man sagt, dass es nicht funktionieren wird. Also zum Beispiel, dass man die Gaststätten rauchfrei gemacht hat. Also es ist ein absoluter Segen, denn ansonsten war es ja immer so, die haben dann nach dem Essen geraucht und man saß dann z.B. auch mit Kindern in der Gaststätte und die waren dann natürlich auch diesen ganzen passiven Qualm ausgesetzt. Also es geht eine ganze Menge und ich denke mal auch, was das anbelangt, kann man vieles tun. Aber es muss bezahlbar sein. Natürlich ich kaufe z.B. Gemüse im Angebot. Obwohl es trotzdem sehr teuer geworden ist. Man sollte saisonale Produkte verwenden. Man sollte regionale Produkte verwenden. Also dadurch ist dann schon eine ganze Menge gekonnt. Zum Beispiel die Kohlzeit. Kohl ist immer relativ preiswert und aus Kohl kannst du so viele Sachen zaubern. Meistens hast du auch immer irgendwelche Angebote. Natürlich würde ich auch nicht daherkommen und würde jetzt ein Blumenkohl kaufen, der fast 3 € kostet. Das muss nicht sein. Da gibt's Alternativen. Und bei der Bewegung ist es eben ganz einfach so, dass die die zu mir kommen, die ich auch als Personal Trainer in Düsseldorf vor Ort trainiere, die haben da auch Spaß dran. Ich denke momentan darüber nach, ab August bis zu drei Gruppen aufzumachen, in denen mehrere Senioren dran teilnehmen können, wo wir dann nach draußen gehen. Manche wollen dann Nordic Walking machen, manche wollen eben halt nur Walken. Das ist alles perfekt kombinierbar und man wartet immer auf den schwächsten Teilnehmer der Gruppe oder man stellt die Gruppen auch so zusammen, dass man mit Fortgeschrittenen etwas schneller ist und mit den Langsameren etwas behutsamer geht. Ich will mit einem Altenheim zusammenarbeiten. Gegebenenfalls auch Pflegeheim. Klare Physiotherapie ist da auch wichtig, aber genauso wichtig ist eine Bewegungstherapie. Einfach ein bisschen Gymnastik, ohne die Leute zu überfordern. Wenn ich höre, dass jemand „Kopf kreisen“ vorschlägt, dann schüttele ich immer den Kopf und sag nein. Das ist völlig überholt, weil da auch die Nervenbahnen, Blutgefäße zum Teil abgeklemmt werden. Das machen wir nicht. Heutzutage ist es so, wir nehmen den Kopf zur rechten Seite, dann zur linken Seite, dann nach hinten und nach vorne. Deutlich besser! Oder Schulterkreisen kann man ohne Probleme machen und da mache ich natürlich mit den Leuten eine ganze Menge. Ich selbst bin im Holmes Place in Düsseldorf zu finden. Das ist so mein Heim Club dort, am Provinzialplatz und da bin ich ab August wieder erreichbar. Beispielsweise hatte jemand Probleme mit seinem Nacken, der war instabil. Das haben wir so schön in den Griff bekommen durch das Training mit dem Kopf und dem geht es wieder richtig gut. Aber eben peur a peur. Viele junge Trainer, die gehen nach einem Schema F, die schauen dich kurz an und sagen: „Du musst so und so viele Kilo schaffen.“ Nein, wo steht das geschrieben? Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden. Wir fangen so an, dass die Gewichte unproblematisch bewältigt werden können. Also machen wir das ganze so, dass man möglichst 10 Wiederholungen in einem Satz schafft und das ganze dreimal. So bei den letzten vier oder fünf Wiederholungen dürfen die Arme oder darf die Muskulatur auch gerne mal brennen. Und wir lassen eine Pause von vielleicht ein bis maximal anderthalb Minuten. Dadurch kann man viele erreichen.

Das klingt sehr interessant. Wir werden auch deine Kontaktdaten in der Beschreibung einblenden und hoffen, dass sich wirklich viele Leute bei dir melden, denen du dann auch helfen kannst und auch wirklich individuell helfen kannst und nicht eben nach diesem Schema „one fits all“. Abschließend, würde ich gerne wissen, ob du einen Ratschlag hast für Betroffene, die jetzt gerade an dem Anfang ihrer Diagnose stehen?

Auf jeden Fall. Also dranbleiben ist wichtig, immer dranbleiben. Ich sage mal, was ist Erfolg? Erfolg ist einmal mehr aufstehen, als auf die Nase zu fallen und natürlich wird man gegebenenfalls Rückschläge erleiden. Gar keine Frage. Das kann passieren, aber bleibt dran. Motiviert euch oder sucht euch da die entsprechende Hilfe. Das dann darüber gesprochen wird. Beispielsweise gibt es sehr gute Selbsthilfegruppen, mit denen ich auch zusammenarbeite, wo man natürlich auch eine ganze Menge in Erfahrung bringen kann.

Was ist Erfolg? Erfolg ist einmal mehr aufstehen, als auf die Nase zu fallen und natürlich wird man gegebenenfalls Rückschläge erleiden. Gar keine Frage. Das kann passieren, aber bleibt dran. Motiviert euch oder sucht euch da die entsprechende Hilfe.

Also entweder motiviert ihr euch selbst für ein Krafttraining oder auch für die Bewegung oder meldet euch irgendwo im Fitnessstudio an und geht trainieren, denn wir haben es ja heute so, dass man nicht pro Mal zahlt, sondern ich bezahle ja heute einmal im Monat für all inclusive. Dann stellt euch einfach vor: Das ist so wie „all you can eat“, nur all you can training und du gehst jeden Tag ins Fitnessstudio. Wobei beim Krafttraining immer 24 Stunden Pause sein sollte, da sich die Muskeln ja regenerieren wollen. Also einen Tag dann Cardio Training und einen Tag macht ihr Krafttraining und das ganze könnt ihr auch sieben Tage die Woche machen. Also so mache ich es. Vor allem, man kann sein Gewicht halten. Das ist also schon eine gute Sache. Also dran bleiben ist wichtig. Motivation! Motivation! Wenn es mal nicht so läuft, dann wie sagt man so schön? Krönchen richten, Mund abputzen und weiter geht's. Wie gesagt das schöne und auch das Gemeine am Diabetes. Der begleitet euch den Rest eures Lebens, also kann man gar nicht zu spät anfangen. Man kann immer wieder anfangen.

Ja, das hast du sehr schön gesagt. Ich danke dir. Vielen Dank für das Interview und dass du dir die Zeit genommen hast. Hat mich wirklich sehr gefreut, über das Thema zu sprechen.

 

Das Interview finden Sie auf unserem YouTube Kanal:

 

In diesem Interview erzählt er uns mehr über seine Erfahrungen und gibt wertvolle Tipps für alle Betroffenen. Wer sich lieber das Video dazu anschauen möchte, kann jetzt mit einem Klick zu YouTube wechseln!

 

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